Warning: Undefined variable $idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | ThomasRiess_Text

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Thomas Riess, Ikone, 2020
Öl auf Leinwand (Ausschnitt)
Original: 190 x 160 cm

Gerda Ridler: Thomas Riess in der Elektrohalle Rhomberg in Salzburg: Eine Ausstellungsbesprechung für PARNASS Online
 
Die Elektrohalle Rhomberg in Salzburg zeigt aktuelle Werke von Thomas Riess. Er führt uns mit seinen surrealen Bildwelten in ein malerisches Wunderland. Die Besucher der Ausstellung schlüpfen in die Rolle von Alice und tauchen ab in eine Fantasiewelt, die verrätselt und vieldeutig ist.
 
Mit dem Titel seiner Ausstellung „Wonderland“ eröffnet Thomas Riess (*1970) ein weites Assoziationsfeld. Wunderland kann für jeden etwas anderes bedeuten, aber zweifelsfrei sind die Gedanken dazu positiv konnotiert. Und genau so möchte der Künstler seine Arbeiten in den düsteren Corona-Zeiten verstanden wissen: zuversichtlich, heiter und hoffnungsvoll. Die Anspielung auf „Alice“, die im Wunderland Phantastisches erlebt, liegt nahe. Auch die Besucher/innen der Elektrohalle Rhomberg begeben sich auf eine wundersame Reise in eine Traumlandschaft, die von metamorphotischen Wesen bevölkert wird.
 
Das Leitmotiv der Ausstellung heißt nicht Alice, sondern „Ikone“ (2020), sie ist unübersehbar frontal gegenüber dem Eingang positioniert. Wir sehen das Halbfigurenporträt einer jungen Frau mit brünetten Haaren, die streng nach hinten gekämmt sind. Eine blonde Strähne hängt frech und locker über dem rechten Ohr. Von ihrem Gesicht ist nur die rechte, hell erleuchtete Seite und ein Teil ihres Auges zu erkennen, ein dunkler Schatten und ein expressiv gesetzter weißer Pinselstrich, der auch ein Haarbüschel sein könnte, verdecken den Rest der attraktiv erscheinenden Physiognomie. Der Körper der Frau scheint sich aufzulösen: Dem rosafarbenen Jackett entsteigen abstrakte und floral wie muschelartig anmutenden Formen in pastelligen Farbtönen. Die Jacke ist im unteren Teil korsettartig geschnürt und steht kurz davor zu bersten. Je länger man diese Arbeit betrachtet, desto mehr verliert sich das vordergründig Sichtbare im Vagen. Die abstrakten Elemente entwickeln ein dynamisches Eigenleben, das die Statik des Gemäldes in eine sanfte Bewegung versetzt. Bilder entstehen, Gedanken entwickeln sich. Vor dem inneren Auge. Im Kopf.
 
Genau darauf zielt Thomas Riess ab. In seinen in altmeisterlicher Manier und handwerklicher Perfektion gemalten Bildern changiert er zwischen Figuration und Gegenstandslosigkeit und befeuert damit die Imagination der Betrachter/innen. Seit annähernd fünf Jahren beschäftigt sich der in Tirol geborene und in Wien lebende Künstler mit Sujets aus der Werbung und Modewelt. Die mediale Bilderflut stellt ihm dafür ein großes Reservoir an Motiven bereit. Die Vorlagen für seine „Ikonen“, „Models“ und „Idole“ entnimmt Riess verschiedenen Zeitschriften und positioniert sie vor monochromen oder ungewiss erscheinenden Hintergründen. Seine Protagonist/innen sind allesamt gesichtslos, mit abstrakten Gesten werden ihre Physiognomien überdeckt und damit das wichtigste Erkennungsmerkmal eines Menschen unkenntlich gemacht. Durch diese raffinierten Übermalungen entstehen sowohl neue Sinnebenen als auch ein Verfremdungseffekt, der gerade auf das neugierig macht, was nicht zu sehen ist. Im Zeitalter des schnellen Bildkonsums sorgt Thomas Riess auf diese Weise auch für einen Bruch mit unseren Sehgewohnheiten. Denn wir sind es gewohnt, Bilder schnell zu erfassen und mit einem kurzem Blick Motive zu erkennen und Inhalte zu entschlüsseln. Der Künstler animiert uns dazu, genauer und länger hinzuschauen – nicht nur auf die Oberfläche seiner virtuosen Malerei sondern auch auf die Botschaft, die er subkutan vermittelt. „In unserer heutigen säkularisierten Gesellschaft haben wir immer noch eine Religion und das ist der Materialismus“, sagt Thomas Riess. In seinen Bildern entindividualisiert er die Gottheiten des Konsums, die Stars und Sternchen haben ihr Alleinstellungsmerkmal – ihre schönen und makellosen Gesichter verloren und damit wohl auch ihren Wert und ihren Status.
 
In der Ausstellung ist eine aktuelle Serie dieser gesichtslosen Frauen und Männer in schicken Kleidern und in unterschiedlichen Posen zu entdecken, die gemeinsam mit den Landschaftsbildern der Serie „Blur“ eine rätselhafte und geheimnisvolle Stimmung verbreiten und einen Kosmos zwischen Realität und Utopie eröffnen. In manchen Werken lässt Thomas Riess den Realismus ganz hinter sich, denn: „Die Malerei ist für mich ein großer Freiraum, hier kann ich alles ausprobieren“, so der Künstler. Die großzügigen Räumlichkeiten der Elektrohalle Rhomberg bieten dafür die idealen Voraussetzungen.
 
Boris Lesicky und Josef Pipo Eisl, die beiden Verantwortlichen der noch jungen Institution, wollen in ihrem künftigen Galerieprogramm einen starken Fokus auf österreichische Künstlerinnen und Künstler mit dem Schwerpunkt Malerei legen. Mit der sehenswerten Ausstellung von Thomas Riess liegt die Messlatte für nachfolgende Projekte hoch.
 
Website Parnass
 
Website Thomas Riess
 
Website Elektrohalle Rhomberg
 
Gerda Ridler [ Januar 2021 ]