Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Wissenschaftliche Direktorin Oberösterreichisches Landesmuseum


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Gerda_Ridler_50_Jahre_Schlossmuseum_Linz

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PROJEKT GRID BLOCK

Ausgewählte Projekte:

Bildangabe:

Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz, AT
Ferdinand Rink, Erste Ansicht der Stadt Linz, um 1795 (Ausschnitt);
Sujet zur Ausstellung „50 Jahre Schlossmuseum Linz. 50 Jahre – 50 Werke – 50 Geschichten“ (2016);
Monika Pichler, An der Donau – mit Blick aufs Schloss 2, 2007 (Ausschnitt);

Gerda Ridler: Blick zurück nach vorn. In: Schlossmuseum Linz. Schätze aus Oberösterreich, Linz 2016

 
Dieser Text entstand aus Anlass des 50-jährigen Bestandsjubiläums des Linzer Schlossmuseums als kunst-, kultur- und naturwissenschaftliche Ausstellungs- und Forschungsstätte des Oberösterreichischen Landesmuseums.
 
Blick zurück nach vorn
 

Was ist Kultur? Zu wissen, was einen angeht,
und zu wissen, was einen zu wissen angeht.
Hugo von Hofmannsthal

 
Der Begriff Kultur kommt aus dem Lateinischen und ist aus dem Verb colere – pflegen, urbar machen, ausbilden – abgeleitet. Unter Identität in einem sozialen oder psychologischen Sinne versteht man das Selbstverständnis des Einzelnen oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die in einem ständigen Abgleich zwischen dem Eigenen und dem Anderen stattfindet. Früher wie heute. Nimmt man all das zusammen, dann entsteht kulturelle Identität: Sie ist das, was uns historisch und in der Gegenwart prägt; sie will urbar gemacht, gepflegt und ausgebildet werden – in einem ständigen Abgleich zwischen dem Eigenen und dem Anderen.
 
Es fällt nicht schwer, daraus eine der Kernaufgaben eines Museums im Allgemeinen und des Oberösterreichischen Landesmuseums im Besonderen abzuleiten. Mit seinen kunst-, kultur- und naturwissenschaftlichen Sammlungen ist das Schlossmuseum ein Ort, an dem kulturelle Identität tatsächlich erlebbar wird. Hier wird die Geschichte des Natur- und Kulturraumes Oberösterreichs urbar gemacht und gepflegt. Hier werden kulturelle Zeugnisse vergangener Jahrhunderte bis heute gesammelt und erforscht. Hier wird das Eigene mit dem vermeintlich Anderen konfrontiert. Das Spannende und zugleich Herausfordernde an dieser Aufgabe liegt in der Natur der Sache: Denn die verschiedenen Aspekte und Ausprägungen kultureller Identität bilden eine Gesamtheit, die in ihrer Gestalt und Konsistenz einem kontinuierlichen Wandel unterliegt.
 
Unter diesen Vorzeichen hat sich auch die Arbeit des Museums stetig verändert. Die Sammlungsbestände des Oberösterreichischen Landesmuseums wurden erweitert und angereichert, die musealen Kernaufgaben auf der Grundlage von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und museologischen Konzepten ständig weiterentwickelt. In zahlreichen Sonderausstellungen wurde und wird die Geschichte Oberösterreichs im gesamthistorischen Kontext präsentiert. Ja, inzwischen ist das Linzer Schlossmuseum selbst ein Teil der Geschichte und nimmt als Schatzkammer Oberösterreichs eine einzigartige Position in der Museumslandschaft ein.
 
Aus Anlass seines 50-jährigen Bestandsjubiläums erscheint dieses Katalogbuch, das die Geschichte des Linzer Schlosses und seine Bedeutung für das Land Oberösterreich sichtbar macht. Wir werfen einen Blick zurück auf die Genese des Linzer Schlosses, auf seine Widmung als Museum und auf die ersten 50 Jahre seines Bestehens. Wir blicken aber auch auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen – verbunden mit der Frage, wie das Schlossmuseum seiner Bedeutung und gesellschaftlichen Verantwortung angesichts musealer, kultureller und geopolitischer Veränderungen auch in Zukunft gerecht werden kann.
 
Blick zurück
Das Linzer Schloss, das weithin sichtbar über der Stadt thront, fand seine erste urkundliche Erwähnung als „castrum“ (Befestigung, Burg) im Jahr 799. Die exponierte Lage machte es seit jeher zum Sitz und Refugium der Landesfürsten und Machthaber. Als mittelalterliche Burg, als kaiserliche Residenz und als Zentrum der Landesverwaltung blickt das Schloss auf eine wechselhafte Geschichte und Funktion zurück, die eng mit der politischen und kulturellen Entwicklung der Stadt Linz und des Landes ob der Enns verknüpft ist. In seiner heutigen Form ist das Schloss ein Gebäude aus der Zeit des frühen 17. Jahrhunderts. Das repräsentative Bauwerk im Stil des Manierismus wurde von Kaiser Rudolf II. (*1552, †1612) in Auftrag gegeben. Der Kaiser, der als einer der bedeutendsten Kunstmäzene des Hauses Habsburg gilt, beabsichtigte im Linzer Schloss inmitten seiner Kunstsammlung seinen Lebensabend zu verbringen. Im Jahr 1800 zerstörte ein verheerender Brand, der auch auf die Linzer Altstadt übergriff, den Süd- und Kapellentrakt des Linzer Schlosses. Nur notdürftig wiederhergestellt wurde das Schloss bis 1854 als Gefängnis und danach bis 1960 als Schlosskaserne und Flüchtlingslager genutzt.
 
(…)
 
Blick nach vorn
Seit nunmehr 50 Jahren werden im Schlossmuseum Linz die Zeugnisse der Kunst, Kultur und Natur Oberösterreichs gesammelt, bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diesen Weg setzen wir konsequent fort: der Geschichte verpflichtet, aber ebenso der Zukunft zugewandt. Dabei führt an den kontinuierlichen Entwicklungen in der Wissenschaft, der Vermittlung und der Museumsarbeit als solcher kein Weg vorbei. Das Museum als Ort des Sammelns, Bewahrens und Forschens hat sich seit den 1960er-Jahren bis heute stark gewandelt – verbunden mit dem wachsenden Selbstverständnis, die Schätze der Museen und die Ergebnisse ihrer Forschung stärker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Verändert hat sich auch die Museumslandschaft. Immer mehr private und öffentliche Museen werben um die Aufmerksamkeit der Besucher – getreu dem Motto: Nur wer etwas Spektakuläres zu bieten hat, wird auch wahrgenommen. Es wäre fatal und entspräche nicht dem Selbstverständnis unseres Hauses, wenn wir diesem Trend blindlings folgen würden. Stattdessen sehen wir heute und in Zukunft unsere Aufgabe darin, die Qualitäten unserer einzigartigen Sammlungen herauszustellen und sie über ebenso kluge wie ansprechende Ausstellungsaktivitäten in ein neues Licht zu rücken. Dazu gehört es, aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse aus den einzelnen Fachgebieten zu berücksichtigen. Im Sinne unseres öffentlichen Auftrags ist es aber genauso wichtig, zeitgemäße Präsentations- und Vermittlungsformen zu kreieren, um den sich verändernden Wahrnehmungsgewohnheiten und Erwartungshaltungen der Besucher/innen gerecht zu werden.
 
Unser Ziel und Anspruch ist es, die herausragenden Sammlungsbestände des Oberösterreichischen Landesmuseums allen Menschen – unabhängig von Alter und Herkunft – näherzubringen. Es sind Schätze von natur- und kulturhistorischer Relevanz, die es immer wieder neu zu entdecken gilt. Und sie helfen, nicht nur die Geschichte, sondern auch unsere Gegenwart und Zukunft besser zu verstehen. Die Arbeit mit historischen Zeugnissen soll deshalb verstärkt an aktuelle Fragestellungen geknüpft und in einer zeitgemäßen Rezeption erfahrbar gemacht werden. Epochen- und bereichsübergreifende Ausstellungen und Vermittlungsprogramme sollen dazu beitragen, das Verständnis für kulturgeschichtliche Zusammenhänge und interkulturelle Entwicklungen zu fördern.
 
Durch die Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Traditionen und Werten kann es gelingen, sich selbst zu verstehen und gleichzeitig ein besseres Verständnis für das scheinbar Fremde und Andere zu fördern. Wenn man vor diesem Hintergrund von gesellschaftlicher Verantwortung sprechen möchte, dann spielt das Oberösterreichische Landesmuseum als Ort der kulturellen Bildung, als Ort der Identität und als Ort der Begegnung eine zentrale Rolle. Heute und in Zukunft mehr denn je.
 
Die ungekürzte Fassung dieses Textes finden Sie in: Schlossmuseum Linz. Schätze aus Oberösterreich, Linz 2016, S. 8-11.
 
Website Oberösterreichisches Landesmuseum
 
Gerda Ridler war von 2013 bis 2018 wissenschaftliche Direktorin des Oberösterreichischen Landesmuseums.
 
Beratung für öffentliche und private Museen:
Mit meinen umfangreichen Erfahrungen im öffentlichen und privaten Museumsbetrieb berate ich Sie gerne in allen museologischen und kulturmanagerialen Fragestellungen.
 
Gerda Ridler [ 2018 ]