Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Museum Angerlehner - Museologische Beratung


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MUSEUM ANGERLEHNER
Einblick in die Veranstaltungshalle und das Schaudepot
Das Museum, Außenansicht und Eingangsbereich
Die große Ausstellungshalle im Erdgeschoss

Gerda Ridler: Interview mit dem Museumsgründer Heinz J. Angerlehner aus Anlass der Museumseröffnung im September 2013
 
Sammeln als intellektuelles und emotionales Abenteuer.
Der Museumsgründer Heinz Josef Angerlehner im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Gerda Ridler

 
Gerda Ridler: Mit der Eröffnung des Museum Angerlehner wird Ihre private Kunstsammlung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit wann sammeln Sie Kunst?
Heinz J. Angerlehner: Ich war schon immer ein Sammler, mit neun Jahren habe ich angefangen Briefmarken und Münzen zu sammeln. Da ich schon immer ein Faible für schöne Dinge hatte, habe ich mich früh für Kunst interessiert. Meine Sammeltätigkeit in Bezug auf Gegenwartskunst begann vor über dreißig Jahren. Das erste Kunstwerk habe ich in Paris gekauft, ich erinnere mich gerne an diese Situation und meine intuitive und spontane Faszination über das kraftvoll auf die Leinwand gesetzte Portrait. Zu Beginn erwarb ich viele Aquarelle, weil ich noch nicht über die finanziellen Mittel verfügte, größere Werke anzukaufen. Ich bin überzeugt, dass eine private Kunstsammlung mit der Begeisterung und der Leidenschaft des Sammlers wächst, bei mir war das jedenfalls so. Seit dem ersten Ankauf in Paris habe ich die Sammlung beständig erweitert. Zuerst nicht mit dem Ziel, eine Sammlung aufzubauen, sondern aus reiner Lust und Freude an der Kunst. Und heute besitze ich mehr als 2000 Kunstwerke.
 
Können Sie uns von einem besonderen Ankauf berichten?
Seit vielen Jahren besuche ich regelmäßig Ausstellungen in Museen und Kunstvereinen, auch auf meinen zahlreichen Reisen gehören Stippvisiten in Kunstmuseen und Galerien vor Ort selbstverständlich zu meinem Pflichtprogramm. Einmal habe ich bei einem Besuch im Pariser Louvre direkt im Museum ein Bild erworben. Der Künstler Bruno Nini hat im Museum ein Barockgemälde kopiert und das hat mich so beeindruckt, dass ich es sofort, quasi von der Staffelei weg, im Louvre erworben habe. Ich bin ein Sammler mit „Leib und Seele“ und entscheide mich häufig spontan für ein Kunstwerk, wenn es mich emotional berührt. Man kann durchaus sagen, dass ich aus dem Bauch heraus sammle und Kunstwerke erwerbe, die mich spontan ansprechen, ohne dabei auf große Namen zu achten. Das ist ja das Schöne am privaten Sammeln, dass man dabei nicht an kunsthistorische Kategorien gebunden ist, sondern nur der subjektive Zugang und die persönliche Neigung zählt.
 
Was bedeutet für Sie das Sammeln von Kunst?
Sammlen bedeutet für mich Horizonterweiterung. Die Beschäftigung mit Kunst bringt so viele intellektuelle und emotionale Abenteuer mit sich, die man als Unternehmer sonst nicht hat. Das ist eine große Bereicherung für mein Leben.
 
Was ist das Konzept Ihrer Kunstsammlung?
Ich verfolge kein fokussiertes Sammlungskonzept, denn ich lasse mich nicht so gern in ein Korsett zwängen. Ich bin Unternehmer und daher gewohnt, meine Entscheidungen frei und spontan zu treffen. Genau so verfolge ich mein Kunstengagement, ich will autonom sein und sammeln, was mich ganz persönlich anspricht. Aber natürlich gibt es persönliche Vorlieben, die sich auch in der Sammlung abbilden. Die selbstbewusste und subjektive Ausdrucksweise der sogenannten Neuen Wilden hat mich schon immer begeistert. Diese expressive Malerei mit ihren intensiven und kräftigen Farben übt eine starke Anziehungskraft auf mich aus. Mich fasziniert aber auch die gegenständliche und figurative Kunst. Diese Werke erzählen Geschichten und schaffen ganz eigene Welten in ihren Bildern. Auf unterschiedliche Weise geben mir diese beiden Kunstrichtungen die Möglichkeit, eigene Interpretationen zu finden und immer wieder Neues zu entdecken. Meine Sammeltätigkeit verstehe ich aber auch als ein Bekenntnis zu den Künstlerinnen und Künstlern, ein professioneller und fairer Umgang ist mir sehr wichtig. Je größer die Sammlung wird, desto mehr wird mir die Verantwortung bewusst, die sich mit dem Erwerb von Kunst verbindet. Man muss die Kunst für die nächsten Generationen bewahren, aber man muss sie auch zeigen und sichtbar machen. Dieses Ziel verfolge ich jetzt mit meinem eigenen Museum.
 
Was ist das Ziel Ihres Museums und wie kam es zur Idee der Museumsgründung?
Dass ich meine umfangreiche Sammlung nun allgemein zugänglich mache, ist Teil meines bürgerschaftlichen Engagements und meiner Verantwortung, die ich gegenüber der Kunst und den Künstlern trage. Außerdem möchte ich die Bereicherung, die die Auseinandersetzung mit Kunst bietet, mit anderen teilen. Wichtig ist mir besonders, dass diese Auseinandersetzung hier in Thalheim bei Wels, in meiner Heimatregion stattfindet. Ich bin sehr verbunden mit diesem Ort, ich lebe hier mit meiner Familie, hier habe ich meine Firma gegründet und zu einem internationalen Unternehmen ausgebaut. Der wirtschaftliche Erfolg, der damit verbunden ist, ermöglicht es mir, mich meiner Leidenschaft für die Kunst zu widmen. Durch das Museum erhoffe ich mir auch Impulse für Thalheim, Wels und die gesamte Region.
 
Wie positioniert sich Ihr Privatmuseum in Bezug zur öffentlichen Museumslandschaft?
In einer Zeit, in der öffentliche Gelder für Kunst und Kultur immer stärker gekürzt werden, sind private Initiativen besonders wichtig. Mit meinem Museum möchte ich aber keineswegs in Konkurrenz zu öffentlichen Museen treten, sondern Künstler unterstützen und das kulturelle Leben in Oberösterreich bereichern.
 
Lesen Sie das gesamte Interview im Katalog
Museum Angerlehner. Eine Privatsammlung wird öffentlich, Ausst.Kat. Museum Angerlehner, München 2013, S. 12-17.
 
Gerda Ridler war von Januar 2012 bis September 2013 wissenschaftliche und museologische Beraterin für den Aufbau des privaten Kunstmuseums in Thalheim/Wels, AT. Für den Sammlungskatalog zur Museumseröffnung hat sie Konzept und Redaktion verantwortet.
 
Website MUSEUM ANGERLEHNER
 
Gerda Ridler [ September 2013 ]