Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Museum Kunst der verlorenen Generation: Katalogredaktion


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PROJEKT GRID BLOCK

Ausgewählte Projekte:

Bildangabe:

Museum Kunst der Verlorenen Generation, Salzburg, AT
Emil Betzler (1892-1974), Die Gruppe Ghat, 1920 (Ausschnitt);
Hans Böhler (1884-1961), Porträt eines Knaben, 1916 (Ausschnitt);
Theodor Zeller (1900-1986), Herrenporträt nach links, 1932 (Ausschnitt);

Gerda Ridler: Interview im Sammlungskatalog „Wir haben uns lange nicht gesehen. Kunst der verlorenen Generation. Sammlung Böhme“, München 2020:
 
»Kunst ist eine historische Angelegenheit.«
Der Sammler Heinz R. Böhme im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Gerda Ridler

 
Gerda Ridler: Ich möchte unser Gespräch gerne mit einem Statement beginnen, das Sammlerinnen und Sammler gerne zitieren, wenn Sie zur Motivation ihres Kunstsammelns befragt werden: »Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos«. Trifft diese Aussage auch auf Sie zu?
Heinz R. Böhme: Nein, auf mich trifft das nicht zu. Es gibt verschiedene Arten, sein Leben zu führen, man kann auch ohne Kunst gut auskommen. Zudem ist das Leben zu vielfältig, ich möchte es nicht nur auf die Kunst reduzieren. Aber das Sammeln ist ein wesentlicher Teil meines Lebens geworden. Sammeln ist eine Sucht – wie Rauchen, Alkohol oder Drogen. Letztere sind heilbar, Sammeln hingegen nicht. Sammeln kann ein Ausweg sein, kann helfen, Erlebtes zu verdrängen und Vergessenes wieder zum Vorschein zu holen. Letztlich ist es eine Leidenschaft, die nur schwer zu zügeln ist. Der legendäre Auktionator und Sammler Simon de Pury formulierte es so: »Kunst zu sammeln, ist die schönste Krankheit die es gibt.«
 
Woher stammen Ihr Kunstinteresse und Ihre spätere Leidenschaft für die Kunst? Kommen Sie aus einem kunstaffinen Elternhaus?
Es ist ganz entscheidend, in welche Zeit man hineingeboren wird und wie die Entwicklung im Leben verläuft. Wenn man wie unsere Familie bei Null beginnt, weil mit dem Krieg auch der Verlust des Eigentums einherging, kann man schwerlich sagen: Kunst ist meine Leidenschaft. Da müssen zuerst andere Dinge realisiert werden, und man begrenzt sich auf Gegenstände des häuslichen Bedarfs. Diese waren zunächst wichtig für das tägliche Wohlbefinden. So gab es in unserem Haushalt beispielsweise Meissener Porzellan, weil das in größerem Umfang zur Verfügung stand. Es wurde in der Familie nicht als »Kunst« betrachtet, eher als notwendig und wertvoll. Mein Interesse an der Kunst rührt daher von zwei unterschiedlichen Wegen her: Der eine kommt aus der Not und der andere durch meinen Beruf. Als Mediziner hatte ich immer mit Menschen zu tun. Gesichter und deren Deutung waren Teil meines beruflichen Lebens. Daher bin ich an Porträts besonders interessiert.
 
Seit wann sammeln Sie Kunst und wann haben Sie Ihr Sammlungsprofil entwickelt?
Ein erkennbares Profil hat sich erst mit meinen beruflich bedingten Reisen entwickelt. Ich habe viele Vorträge in Berlin und im Ausland gehalten. Nach getaner Arbeit habe ich Museen, Galerien und Vernissagen besucht und viele Andenken im Form von Papier mit nach Hause gebracht wie zum Beispiel Folder, Fotografien, Verkaufslisten, Ausstellungskataloge – also Informationsmaterial zur Kunst, das ich zu Hause in einem Regal gesammelt habe. Irgendwann kam der Zeitpunkt und das Regal musste geräumt und das viele Papier entsorgt werden. Zuletzt fiel mein Augenmerk auf einen rot glänzenden Katalog, der schon im Papierkorb gelandet war. Es handelte sich dabei um einen Ausstellungskatalog des Künstlers Ludwig Jonas (1887–1942) unter der Schirmherrschaft des Israelitischen Botschafters. Die kleine Monografie war mit echten Fotos bestückt, und ich hatte sie 1984 von der Galerie Bredow in Berlin mitgenommen. Die Gemälde von Ludwig Jonas und seine Biografie haben mich beeindruckt, und so habe ich mich Jahre später auf die Suche nach seinen Bildern gemacht.
 
So steht am Beginn Ihrer Sammlungstätigkeit also der Künstler Ludwig Jonas?
Ja, dieser vergessene Künstler war die Initialzündung. Bei der Recherche zu Leben und Werk des Künstlers bin ich auf eine Lücke aufmerksam geworden. Diese Lücke ist mir bei meiner Suche nach seinen Kunstwerken umso deutlicher geworden. Aber es gelang mir, zunächst fünf oder sechs Bilder aus einem Nachverkauf zu erwerben, und später konnte ich durch Auktionen und Internet-Suchen viele Werke in meinen Besitz bringen, die 1984 in der Berliner Ausstellung zu sehen waren. Ich kann also die Ausstellung von damals fast zur Gänze nachempfinden.
 
Sie widmen sich in Ihrer Sammlung einem Spezialbereich der Kunst des 20. Jahrhunderts, der Kunst der verlorenen Generation. Wie definieren Sie die »Verlorene Generation«?
Die Verlorene Generation kann man unterschiedlich definieren. Vielleicht auch auf der Basis des eigenen Erlebens. Für mich ist es generell die Zeit von 1920 bis 1945 …
 
Lesen Sie mehr im Katalog
„Wir haben uns lange nicht gesehen. Kunst der verlorenen Generation. Sammlung Böhme“, München 2020, S. 12-23.
 
Website Museum Kunst der Verlorenen Generation
Website Hirmer Verlag München
 
Gerda Ridler [ Juli 2020 ]