Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Kardinal König Kunstpreis 2019

Block: 1 – Bild

Keine Bildbeschriftung aktiviert
Bildangabe:

Angelika Loderer, Poems to Gadgets (Icicles), 2018, Ausstellungsansicht Grazer Kunstverein;

Angelika Loderer ist Preisträgerin des Kardinal König Kunstpreises 2019.
 
ANGELIKA LODERER
Poems to Gadgets (Icicles)

 

„Ich verhandle in meiner Arbeit den Skulpturenbegriff und möchte
ihn mitdefinieren. Für mich ist es eine Suche nach Form von bereits Bestehendem, das noch entdeckt werden muss. Dabei sehe ich die Mittel der klassischen Bildhauerei und ihre Materialien und Techniken als Methode und unsere unmittelbare Umgebung als Inhalt.“

Angelika Loderer

 
Die Bildhauerin Angelika Loderer spürt vermeintlich Nebensächliches und Unscheinbares auf. Formen, die in unserem Alltag für gewöhnlich keine Relevanz haben, gibt sie eine neue Bedeutung. Viele Arbeiten gehen aus der Beobachtung der Natur hervor. So hat sie beispielsweise in der Serie „Schüttlöcher“ verlassene Tierbehausungen wie Maulwurfsgänge oder Spechthöhlen mit Gips ausgegossen. Die eigentümlichen Skulpturen, die daraus entstehen, haben einen besonderen Reiz und regen womöglich dazu an, der alltäglichen Umgebung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
 
Diese Verfeinerung der Wahrnehmung ist auch bei den „Poems to Gadgets (Icicles)“ zu beobachten. Sechs elegant-bizarre Messingskulpturen balancieren auf langen, dünnen Eisenstäben und wirken wie fragile Lebewesen auf schlaksigen Beinen. Es handelt sich dabei um Eiszapfen – eine natürliche und vergängliche Form –, die die Künstlerin mit einem aufwändigen Gussverfahren in ihrer Momenthaftigkeit konserviert. Die Eiszapfen verändern ihre Gestalt, wenn sie in feuerfeste Gussformen getaucht werden, sie schmelzen und bilden an den unteren Kanten Wassertropfen aus. Um den skulpturalen Herstellungsvorgang und das Verfahren des Gießens transparent zu machen, belässt die Künstlerin die Messingskulpturen in ihrer rohen Ursprungsfassung samt Gusskanälen und Trichtern.
 
Die zarten Objekte mit ihren zerklüfteten Oberflächen wirken poetisch und geheimnisvoll. Die Spannung dieser Werke liegt nicht nur in der Vergänglichkeit des einen und in der Beständigkeit des anderen Materials, sondern in ihrer subtilen Veranschaulichung und in der Materialisierung von Ephemerem.
 
Gerda Ridler [ September 2019 ]
 
Text im Katalog:
K wie Kunst. Kardinal-König-Kunstpreis, Salzburg 2019, Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2019 (erscheint im November 2019)