Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Gründungsdirektorin Museum Ritter


Museum_Ritter_Gerda_Rilder_Gründungsdirektorin

Museum_Ritter_Gerda_Ridler_Geschäftsführerin

Museum_Ritter_3

PROJEKT GRID BLOCK

Ausgewählte Projekte:

Bildangabe:

MUSEUM RITTER
71111 Waldenbuch bei Stuttgart, DE
Timm Ulrichs, Maße & Gewichte, 2008;
Museumsgebäude und Museumspassage mit Blick in die Natur und einer Installation von Daniel Buren, 2013;
Besucher mit Kind vor Günter Umberg, ohne Titel, 1984/86;

Gerda Ridler: „Quadratisch, praktisch, Kunst“ – 5 Jahre Museum Ritter. In: neues museum, die österreichische Museumszeitschrift, Heft 11/2, 2011.

 

„Die Privatsammlung muss sich zum Museum machen,
sonst kränkt sie die Allgemeinheit.“

Marcel Proust

 
Hochkonjunktur der Privatmuseen
In der zurückliegenden Dekade sorgte die Gründung einer Vielzahl neuer und privatwirtschaftlich geführter Kunstmuseen in der deutschsprachigen Museumslandschaft für Aufsehen. In Deutschland haben im Besonderen das Museum Frieder Burda in Baden-Baden (gegründet 2004), die Sammlung Boros in Berlin (2008) und das Schauwerk Sindelfingen (2010) große Beachtung gefunden. Ohne Zweifel bereichern die Privatmuseen die Vielfalt und Qualität der Museumslandschaft und des kulturellen Angebots. Sie tragen auch zum Profil der Orte bei, in denen sie beheimatet sind. Es lässt sich weiterhin die Tendenz erkennen, dass zahlreiche private Sammlungen in architektonisch eindrucksvollen und neuen Museumsbauten außerhalb urbaner Zentren präsentiert werden und sich fast immer der modernen und zeitgenössischen Kunst widmen. Die vielfältigen und besucherorientierten Ausstellungs- und Programmangebote dieser Privatmuseen mehren das künstlerische Angebot und beleben die kulturelle Vielfalt der einzelnen Regionen. Private Museen stehen meist auf einem finanziell sicheren Fundament erfolgreicher Unternehmen. Das kulturelle und bürgerschaftliche Engagement hebt die öffentliche Wahrnehmung und das Image dieser Firmen und rückt die Gründerpersönlichkeit des Museums in den Blickpunkt.
 
Das Museum Ritter
Das private Kunstmuseum Ritter in Waldenbuch bei Stuttgart hat durch seine spezielle inhaltliche Ausrichtung große Aufmerksamkeit erzielt. Gegründet wurde das Museum dank einer privaten Initiative von Marli Hoppe-Ritter (*1948), der Miteigentümerin der Firma Ritter Sport. Seit September 2005 macht die Sammlerin ihre umfangreiche Kollektion zum Thema Quadrat der Öffentlichkeit in einer schwäbischen Kleinstadt zugänglich. Der thematische Ansatz der Sammlung ist naheliegend, wenn man an das weltweit tätige Schokoladenunternehmen denkt. Der Slogan „quadratisch, praktisch, gut“ ist im deutschen Sprachgebrauch zum geflügelten Wort geworden. Das Museum Ritter ist allerdings kein Unternehmensmuseum, sondern Trägerin des Museums ist eine von der Sammlerin eingerichtete Privatstiftung bürgerlichen Rechts. Der Aufbau einer Kunstsammlung im Zeichen des Quadrats erscheint nur auf den ersten Blick als Diktat des Marketings und Fortsetzung der Erfolgsidee des Unternehmens. Denn aus kunsthistorischer Sicht ist es von besonderem Interesse, überraschend und spannend zu diesem Spezialgebiet zu sammeln, gilt doch das Quadrat für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts als essentielles Gestaltungselement.
 
Sammlung zum Thema Quadrat
In der bildenden Kunst gilt das Quadrat mit seinen in der Natur nicht existenten rechten Winkeln bis heute als die reinste Form von Abstraktion. Kasimir Malewitsch hat im Jahr 1915 mit seinem „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“ eine Ikone des abstrakten Gestaltens und ein Symbol für den radikalen künstlerischen Neuanfang fern jeglicher Gegenständlichkeit und Zweckgebundenheit geschaffen. Eine kleine suprematistische Zeichnung dieses Künstlers steht daher am Beginn der Sammlung von Marli Hoppe-Ritter. Die Spannbreite der vorwiegend aus Europa stammenden Gemälde, Grafiken, Plastiken und Installationen reicht von historischen Positionen wie dem russischen Konstruktivismus und Suprematismus, der holländischen De Stijl-Gruppe und dem Bauhaus über die mathematisch-strenge Kunst der Zürcher Konkreten, die Op-Art und den Minimalismus der Nachkriegszeit bis hin zum aktuellen Neo-Geo und zu konstruktiven Lösungen der jüngsten Gegenwart.
 
Der Museumsneubau: Die äußere Hülle
Der Museumsneubau wurde nach Plänen des Architekten Max Dudler errichtet. Der Schweizer gilt als architektonischer Rationalist und vertritt mit seinem Baustil eine streng geometrische Ausrichtung. Auf einer quadratischen Grundfläche von 44 x 44 Metern wird die programmatische Linie der Sammlung aufgegriffen. In unmittelbarer Nähe zu den Fabrikgebäuden von Ritter Sport, aber dennoch am Rand eines Naturschutzgebietes gelegen, hat Dudler einen mit Trosselfelser Muschelkalk verkleideten Kubus gebaut, der sich durch ein abwechslungsreiches Spiel geometrischer Formen und den Gegensatz von Offenheit und Geschlossenheit auszeichnet. Das sockellose Gebäude besteht aus zwei trapezförmigen Teilen und einer verbindenden Passage. Während der größere Flügel das Museum beherbergt und ganz der Kunst gewidmet ist, ist im kleineren Trakt der „Schoko-Laden“ von Ritter Sport untergebracht. In der Mitte öffnet sich eine 14 Meter hohe Passage zur Landschaft und gibt den Blick in den angrenzenden Naturpark Schönbuch frei. Im Gebäudeinneren ist ein spannungsvolles Raumgefüge entstanden, das mit 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche der Kunst auf zwei Etagen repräsentative und großzügige Entfaltungsmöglichkeiten bietet.
 
Das Museum: Der innere Kern
Unabhängigkeit, Konzentration auf das Quadrat, Zukunftsorientierung und Publikumsnähe sind die vier tragenden Säulen, auf denen das Selbstverständnis des Museums gründet. Das Quadrat ist das Leitthema der Sammlung, und die Sammlung ist Basis aller Aktivitäten. Das Ausstellungsprogramm ist auf den Bereich der Geometrischen Abstraktion international und zeitgenössisch ausgerichtet. Neben Präsentationen des eigenen Sammlungsbestands zeigt das Museum jährlich drei bis vier Sonderausstellungen. Das Aufzeigen historischer Entwicklungen auf dem Gebiet der Geometrischen Abstraktion ist ebenso das Ziel wie international bedeutenden Vertretern dieser Kunstrichtung als Plattform zu dienen. Künstlerinnen und Künstler der Sammlung werden in Einzelausstellungen gewürdigt und mit jungen Kunstprojekten wird die Bedeutung geometrisierender Ansätze für die zeitgenössische Kunst dokumentiert.
 
Konsequente Besucherorientierung
Das Museum Ritter leistet ein klares Bekenntnis zugunsten seiner Besucherinnen und Besucher. Hohe Standards im Bereich des Besucherservice und eine qualitätvolle Kunstvermittlung sind erklärte Leitziele der Museumsarbeit. Alle Ausstellungen werden von einer Vielzahl unterschiedlicher Programme begleitet, die Anregungen für den Dialog zwischen Betrachter und Kunstwerk geben. Sie sind an verschiedene Publikumsschichten gerichtet und bieten vielfältige und kreative Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Kunst.
 
„Think global, act local“
Das künstlerische Profil des Museum Ritter ist international ausgerichtet ist. Das Publikum kommt – das zeigt die Besucherstatistik – zu 87 % aus der Region. Dem Museum war es daher von Beginn der Museumstätigkeit an wichtig, die lokale Bevölkerung des Einzugsgebietes rund um Stuttgart zu erreichen, sie mit attraktiven Programmen für das Museum zu interessieren und durch besonderen Service an das Museum zu binden. Mit dem Bewusstsein, dass die konstruktiv-konkrete Kunst für ein kunstfernes Publikum mitunter schwer zu rezipieren ist, hat sich das Museum entschlossen, zu allen Ausstellungen kostenlose Audioführungen in deutscher und englischer Sprache anzubieten. Die akustisch geleiteten Rundgänge sind mit Interviews von Künstler/innen und Kurator/innen kurzweilig gestaltet und helfen den Ausstellungsbesucher/innen auf unterhaltsame und fundierte Weise, einen Zugang zu den Exponaten zu finden.
 
„Service is our success“
Dem Leitspruch der österreichischen Luftlinie Lauda Air ist das Museum Ritter eng verbunden. Die Zufriedenheit mit einem Museumsbesuch ist in den seltensten Fällen das Ergebnis eines singulären Ereignisses. Neben dem Ausstellungsbesuch tragen eine angenehme und ansprechende Atmosphäre und vor allem erfreuliche Begegnungen mit dem Personal zur positiven Wahrnehmung des Museums bei. Mit dem Wissen, dass sich heute kaum mehr ein Produkt über seinen „Kernnutzen“ vermarkten lässt – und das gilt im Besonderen für den gesättigten Freizeitmarkt – bietet das Museum Ritter seinem Publikum eine Reihe von zusätzlichen Angeboten: Einen exklusiven Museumsshop mit einem unverwechselbaren Angebot, ein ansprechendes Museumscafé, das auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums besucht werden kann und einen Museums-Wanderweg, der zu Spaziergängen und zur Erkundung des nahen Naturparks einlädt.
 
Erfolgsfaktoren
In Fachkreisen wurde in jüngster Zeit häufig die Frage nach Erfolgs- und Qualitätskriterien musealer Arbeit diskutiert. Die erfolgreiche Wahrnehmung und das positive Besucherergebnis des Museum Ritter können aus der Sicht der Museumsleitung auf folgende Indikatoren zurückgeführt werden:
1. Klares Museumskonzept und Leitziele
2. Positionierung als starke Marke
3. Wirtschaftlich orientiertes Museumsmanagement
4. Konsequente Besucherorientierung und hohe Servicebereitschaft
5. Diversifiziertes Angebot im Bereich der Kunstvermittlung
6. Kostenlose Audioführungen zu allen Ausstellungen
7. Souveräne Architektur mit innovativer ökologischer Haustechnik
8. Standort – Verbindung von Kunst und Natur: Das Museum liegt in ländlicher Idylle rund 30 Autominuten von Stuttgart entfernt. Das Museum hat sich als beliebtes Ausflugsziel etabliert.
9. Nachbarschaft zur Firma Ritter Sport – Verbindung von Kunst und Schokolade: Gegenüber dem Museum befindet sich das Besucherzentrum von Ritter Sport mit einem „Schoko-Outlet“ und der SchokoWerkstatt, in der Kinder selber Schokolade machen können.
 
Ausblick
Das Museum Ritter hat sich seit seiner Gründung als lebendiger Ort für die Begegnung mit konkret-konstruktiver Kunst von überregionaler Bedeutung einen Namen gemacht. Innerhalb kürzester Zeit ist es gelungen, das Museum als festen und selbstverständlichen Bestandteil des regionalen Kunst- und Kulturlebens zu etablieren und dem Haus und seinen Ausstellungen international Beachtung zu verschaffen. Es ist das Ziel, diesem Ruf auch künftig gerecht zu werden.
 
Dieser Text erschien in ungekürzter Form in:
neues museum, die österreichische Museumszeitschrift, Heft 11/2, 2011, S. 88-97.
 
Gerda Ridler war Gründungsdirektorin und Geschäftsführerin des MUSEUM RITTER von 2004 bis 2010.
 
Website MUSEUM RITTER
 
Gerda Ridler [Mai 2011]