Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Eine Privatsammlung wird oeffentlich

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Kurt Weidemann im Gespräch mit der Sammlerin & Museumsgründerin Marli Hoppe-Ritter, Waldenbuch 2009
 
In Erinnerung an den geschätzten Kurt Weidemann (1922–2011) und mein herzlicher Dank an Marli Hoppe-Ritter.
 
 
„Der Sammler ist ein Künstler im Quadrat“ (Marcel Duchamp)
Zit. nach Serge Stauffer (Hrsg.), Marcel Duchamp Ready Made. 180 Aussprüche aus Interviews mit Marcel Duchamp, Zürich 1973, S. 45.

Gerda Ridler: Der Sammler ist ein Künstler im Quadrat. Publiziert in: Hommage an das Quadrat. Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, 1915-2009, Heidelberg 2010, S. 28-41.
 
 

„Die Privatsammlung muss sich zum Museum machen, sonst kränkt sie die Allgemeinheit.“
Marcel Proust

 

„Der Sammler ist ein Künstler im Quadrat“
Privat wird öffentlich. Die ersten vier Jahre MUSEUM RITTER

 
Kunstmuseen gehören zu den erfolgreichsten Einrichtungen der Kulturlandschaft. Die ständig wachsenden Zahlen der Museen wie der Museumsbesucher belegen, dass die Beschäftigung mit Kunst wie selten zuvor im Zentrum des gesellschaftlichen Interesses steht. Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre sind die jährlichen Besucherzahlen von Ausstellungshäusern in Deutschland von rund 98 Millionen um circa 15% auf 113 Millionen gestiegen. Eine noch höhere Zuwachsrate ist bei den Museen zu verzeichnen: Zählte man 1993 noch 4.682 Museen, so waren es 2007 bereits 6.197; das bedeutet eine Steigerung um 30%. Für das öffentliche Publikum ist diese starke Zunahme an Museen sehr positiv zu bewerten, denn ein großes Angebot an unterschiedlichen Ausstellungshäusern und Ausstellungsprogrammen erzeugt Interesse und Lust, sich auf Kunst und Kultur einzulassen. Für die Museen hingegen bedeutet der hohe Anteil an Neugründungen einen stärkeren Wettbewerb unter den einzelnen Einrichtungen. Auch das kann positiv und als Chance zur Differenzierung und Profilierung der jeweiligen Museumsangebote gesehen werden. Nachteilig könnte sich diese Tendenz nur dann auswirken, wenn man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an die Verteilung der begrenzten öffentlichen Mittel denkt.
 
Von der Finanzierung durch die öffentliche Hand völlig unabhängig sind die zahlreichen privaten Kunstmuseen, die in den letzten Jahren gegründet wurden, darunter auch das MUSEUM RITTER in Waldenbuch. Es verdankt sich der privaten Initiative von Marli Hoppe-Ritter, die ihre umfangreiche Kunstsammlung seit September 2005 der Öffentlichkeit zugänglich macht. In einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen, im Bundesland Baden-Württemberg, findet sich deutschlandweit die größte Dichte an Privatmuseen: Neben Marli Hoppe-Ritter gewähren Reinhold Würth in Künzelsau und Schwäbisch Hall, Frieder Burda in Baden-Baden, die Familie Grässlin in St. Georgen, Alison und Peter W. Klein in Eberdingen-Nussdorf, Siegfried Weishaupt in Ulm, Jürgen A. Messmer in Riegel und ab Oktober 2009 Friedrich E. Rentschler in Ulm dem kunstinteressierten Publikum Einblick in ihre privaten Kollektionen. Ohne Zweifel bereichern diese Sammlermuseen die Vielfalt und Qualität der Museumslandschaft und des kulturellen Angebots. Sie tragen auch zum Profil der Orte bei, in denen sie beheimatet sind. Es lässt sich weiterhin die Tendenz erkennen, dass zahlreiche private Sammlungen in eindrucksvollen neuen Museumsbauten außerhalb urbaner Zentren präsentiert werden und sich fast immer der modernen und zeitgenössischen Kunst widmen. Die vielfältigen Ausstellungs- und Programmangebote dieser Häuser beleben die einzelnen Regionen kulturell und rücken die dahinterstehenden Firmen und Gründerpersönlichkeiten in den Blickpunkt. Die besondere Attraktivität dieser privaten Kunstmuseen liegt in ihrem subjektiven Bezug. Private Museumsgründungen bedeuten eine generöse Hinwendung an die Öffentlichkeit. Es entsteht ein positives Image, denn die Museen werden für gewöhnlich mit einer Persönlichkeit identifiziert, die hohes Ansehen bei den Besuchern genießt, bewundert und unterstützt wird. Hieraus entwickelt sich – stärker als das bei öffentlichen Museen der Fall ist – eine intensive emotionale Beziehung der Besucher zu den Museen und ihren Mäzenen.
 
Was bewegt nun eine/n Sammler/in, ihre/seine privaten Schätze öffentlich zu machen? Marli Hoppe-Ritter hat schon geraume Zeit vor der Eröffnung ihres Museums die eigenen Kunstschätze mit anderen geteilt. Die Mitarbeiter der Firma RITTER SPORT hatten seit Beginn ihrer Sammeltätigkeit das Privileg, sich mit originalen Kunstwerken umgeben zu können. Die Flure und Büros des Verwaltungsgebäudes wurden mit ausgewählten Kunstwerken der Sammlung ausgestattet. Als jedoch die Bestände in den Depots wuchsen und viele der mit Leidenschaft erworbenen Kunstwerke dort ungesehen und unbeachtet ruhten, entschied die Sammlerin, ein eigenes Museum zu bauen, um der von ihr gesammelten Kunst Raum und Öffentlichkeit zu verschaffen. In ihrem Museum hat Marli Hoppe-Ritter nunmehr das Vorrecht der alleinigen Betrachtung ihrer Kunstwerke aufgegeben, sie lässt die Allgemeinheit daran teilhaben.
 
Mit der öffentlichen Präsentation wird eine Privatsammlung allerdings zugleich auf den öffentlichen Prüfstand gestellt. Dabei ist nicht immer nur mit positiven Reaktionen zu rechnen, auch Kritik und Missgunst können den Sammler und Mäzen treffen. Das private Sammeln von Kunst ist eine von persönlichen Neigungen und Interessen bestimmte Tätigkeit, die dann plötzlich im Licht der Öffentlichkeit diskutiert und mit neuen und anderen Maßstäben bewertet wird. Auch über die Sammlung von Marli Hoppe-Ritter zum Thema Quadrat wurde im Vorfeld der Museumseröffnung viel spekuliert. Während die einen die Sammlung und das Museum als einfallsreiche Marketing-Idee der Firma RITTER SPORT betrachteten, meinten andere, dass die Quadratur der Schokolade, nun künstlerisch in Szene gesetzt, kein seriöses Thema für eine Kunstsammlung sein könnte. Dabei spezialisieren sich nicht wenige Privatsammler auf ein begrenztes Sammlungsgebiet, denn im Bereich der bildenden Kunst könnte ein allzu breit angelegtes Sammlungsspektrum leicht zu Beliebigkeit führen und wäre auf alle Fälle wesentlich schwieriger in der praktischen Realisierung. Sich auf einen engeren Bereich zu konzentrieren, macht das Sammeln überschaubarer und den Sammler eher zum Spezialisten und Kenner.
 
Die Eröffnungsausstellung des MUSEUM RITTER, die von rund 65.000 Kunstinteressierten besucht wurde, zeigte unter dem Titel „SQUARE“ erstmals die Bandbreite und Vielfalt der Sammlung im eigenen Haus. Die Öffentlichkeit konnte so einen umfassenden Einblick in eine mit Engagement und Spürsinn zusammen getragene Sammlung erhalten und sich durch die Konzentration auf das Quadrat einen profunden Überblick über die Entwicklung der Geometrischen Abstraktion seit ihren Anfängen in den 1910er Jahren bis heute verschaffen. Das schlüssige Konzept samt der professionellen Präsentation und Vermittlung überzeugte letztlich auch Kritiker und skeptische Fachkollegen. Dieser erste gegenseitige und wohlwollende Austausch zwischen Sammlung und Öffentlichkeit war für die Sammlerin Marli Hoppe-Ritter von besonderer Bedeutung. Sie wurde in der Wahl ihres Sammlungsthemas bestätigt und darin bestärkt, die Sammlung nun auch im Hinblick auf die Möglichkeiten des neuen Raumangebots im eigenen Museum weiter auszubauen. Seit der Gründung des MUSEUM RITTER vor vier Jahren ist der Bestand um mehr als 50% angewachsen und umfasst heute rund 750 Werke. Je größer und umfangreicher eine Sammlung wird, desto mehr entsteht beim Sammler der Wunsch, Lücken zu füllen: Im Grunde genommen verlangt jedes Kunstwerk nach dem nächsten. Auf diese Weise bleibt die Sammlung ständig in Bewegung, ist lebendig und öffnet sich der Zukunft, was insbesondere für eine Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst gilt. „Erfahrung, Erkenntnis, Erbauung“ nennt Karlheinz Schmid die wichtigen Eigenschaften erfolgreichen Sammelns. Wahrer Reichtum wird durch erfolgreiches Fördern und nicht allein durch erfolgreiches Sammeln geschaffen. Das sieht auch Marli Hoppe-Ritter so, denn die Förderung junger Kunst ist in den Stiftungsstatuten festgeschrieben. Die Erweiterung der Sammlung gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Gegenwartskunst hat sich als ausgesprochen spannend herausgestellt, da sich das Quadrat als ein Motiv erweist, dessen Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.
 
( … )
 
Das MUSEUM RITTER hat sich seit seiner Gründung als lebendiger Ort für die Begegnung mit konkret-konstruktiver Kunst von überregionaler Bedeutung einen Namen gemacht. Innerhalb kürzester Zeit ist es gelungen, das Museum als festen und selbstverständlichen Bestandteil des regionalen Kunst- und Kulturlebens zu etablieren und dem Haus und seinen Ausstellungen international Beachtung zu verschaffen. Es ist unser Ziel, diesem Ruf auch künftig gerecht zu werden. Künstlerische Qualität, museale Professionalität und zukunftsorientierte Weltoffenheit sind dabei unsere Richtlinien.
 
Website MUSEUM RITTER
 
Gerda Ridler war Gründungsdirektorin und Geschäftsführerin des MUSEUM RITTER in Waldenbuch/Stuttgart von 2004 bis 2010.
 
Ihre Privatsammlung wird öffentlich:
Als langjährige Museumsdirektorin unterstütze ich Sie gerne dabei, Ihre Kunstsammlung temporär oder permanent im Licht der Öffentlichkeit zu präsentieren.
 
[Gerda Ridler, 2019]