Notice: Undefined variable: idd in /home/.sites/84/site2667239/web/cms/wp-content/themes/ue-ridler/single-projekte.php on line 8 Gerda Ridler | Ausstellungseröffnung Isolde Maria Joham


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Bilder der Ausstellungseröffnung am 1. 4. 2022 in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems,
Isolde Maria Joham, Gerda Ridler, Alexandra Schantl

Eröffnung der Ausstellung ISOLDE MARIA JOHAM
in der LANDESGALERIE NIEDERÖSTERREICH, KREMS, AT
am 1. 4. 2022

 
Sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der Landesgalerie Niederösterreich,
liebe Isolde Maria Joham und lieber Gottfried Höllwarth!
 
Ich darf Sie alle sehr herzlich hier in Krems willkommen heißen. Es ist mir eine besondere Freude, Sie heute erstmals als Künstlerische Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich begrüßen zu dürfen.
 
Bevor der Abend ganz Isolde Maria Joham gehört, möchte ich gerne die Gelegenheit meines ersten öffentlichen Auftritts nutzen und Sie kurz darüber informieren, was sie künftig hier in der Landesgalerie Niederösterreich unter meiner Leitung erwarten wird:
 
Meine Aufgabe liegt in der strategischen Weiterentwicklung eines eigenständigen Profils der Landesgalerie Niederösterreich. Die programmatische Neuausrichtung hat daher künftig einen klaren Fokus und sie beruht auf drei Säulen:
 
1. Als erste Säule wird die Landesgalerie Niederösterreich künftig noch stärker Bühne für die Kunstschätze des Landes Niederösterreich sein.
Ich kann hier ankündigen, dass wir Ihnen hier ab dem 22. Mai einen tiefen Einblick in die zeitgenössische Sammlung des Landes Niederösterreich geben werden. Wir öffnen das gesamte Museum für einen kurzweiligen Rundgang durch die österreichische Kunstgeschichte seit 1960, der Sie über alle drei oberen Etagen des Museums führen wird. Wir haben dafür auch die Ausstellungsarchitektur aufgefrischt und laden Sie ein zu einem „Rendezvous mit der Sammlung“.
 
2. Als zweite programmatische Säule wird die Landesgalerie Niederösterreich künftig attraktiver Repräsentationsort für heimische Künstlerinnen und Künstler sein sowie fixe und jährlich wiederkehrende Bühne für die Würdingsungspreisträger:innen des Landes Niederösterreich. Neben prominenten, werden wir auch junge und noch nicht etablierte Positionen zeigen, aber auch Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bieten, die bisher aus unserer Sicht zu wenig Würdigung und Anerkennung für ihr Schaffen erhalten haben.
Die Reihe der monografischen Ausstellungen starten wir heute mit Isolde Maria Joham.
 
3. Und schließlich: Die dritte Programmsäule ist unser Fenster zur internationalen Kunst. Hier werden internationale Künstler:innen eingeladen, in der Landesgalerie Projekte zu realisieren, die sich entweder stark auf die Architektur beziehen und installativen Charakter haben oder partizipativ angelegt sind.
Hier kann ich avisieren, dass wir am 10. Juni 2022 wir eine Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota im Erdgeschoss eröffnen werden, die Bezug zur Krems, zur Region der Wachau und zur Donau nehmen wird.
 
Über diesen drei programmatischen Säulen stehen der Wunsch und das Ziel, dass sich die Landesgalerie Niederösterreich im überregionalen, aber vor allem auch im regionalen Kunst-Kontext fest verankert und dass wir ein offenes und lebendiges Haus der Begegnung und des Austausches sind, ein Ort, der inspiriert und ein Ort, der überrascht.
 
Soweit ein kurzen Ausblick auf die programmatische Ausrichtung und unsere Pläne für das erste Halbjahr 2022. Wir haben uns dafür viel vorgenommen: Vielleicht Ihnen das Eine oder Andere bereits aufgefallen. Neben der Bespielung aller fünf Etagen mit neuen Ausstellungen, haben wir das Leitsystem verändert, die Besucherführung verfeinert und wir haben im gesamten Haus die Ausstellungsarchitektur aufgefrischt, so dass sich dieses großartige Museum in einem noch besseren Licht präsentiert.
 
In bestem Licht präsentieren wollen wir heute Abend auch das Werk von Isolde Maria Joham: Wir zeigen Ihnen in der Landesgalerie Niederösterreich die größte und umfassendste Ausstellung, die der Künstlerin jemals gewidmet wurde, und hoffen, damit zur Rezeptionsentwicklung und Wertschätzung ihres Werkes beizutragen. Denn wer dem Werk dieser leidenschaftlichen Malerin begegnet, wird nicht verstehen können, warum es jahrzehntelang kaum bekannt war. Die Ausstellung ist also eine wunderbare Gelegenheit, das facettenreiche Werk dieser Visionärin neu kennen zu lernen oder auch wieder neu zu entdecken!
 
Für die Ausstellung zeichne ich gemeinsam mit Alexandra Schantl verantwortlich. Alexandra ist die Leiterin der NÖ Landessammlung „Kunst nach 1960“ und sie verfolgt das Werk von Isolde Maria Joham seit vielen Jahren und hat auch wesentliche Werke für die Landessammlungen angekauft. Gemeinsam werden wir Ihnen nun einen Einblick in das OEuvre von Isolde Maria Joham geben: Ich werde zunächst einen roten Faden durch die Biografie der Künstlerin legen und Alexandra Schantl wird im Anschluss ihre Malerei kunsthistorisch einordnen.
 
Auf der Bühne der Kunst steht eine große Solistin – eine vielseitige Künstlerin, eine leidenschaftliche Malerin, eine Pionierin der Glaskunst. Couragiert, intelligent und überaus talentiert.
Mit außergewöhnlicher Intensität hat Isolde Maria Joham ihr Leben der Kunst gewidmet. Ihre Leidenschaft hat sie schon früh von ihrer Heimatstadt Mürzzuschlag zum Studium nach Wien getrieben. Ohne finanzielle Basis, ohne Beziehungen und gegen den Willen ihrer Familie hat sie es geschafft, als Künstlerin zu reüssieren, zur Professorin ernannt zu werden und mit ihren malerischen Werken in wichtigen internationalen Museen vertreten zu sein. Diese Leistung und dieser Lebensweg sind umso bemerkenswerter, wenn man sich vor Augen hält, wie schwierig es für eine junge Frau aus der Provinz gewesen sein muss, sich in den frühen 1950er-Jahren inmitten der Besatzungszeit alleine in Wien zu behaupten.
 
Isolde Maria Joham hat rückblickend gesehen zwei völlig unterschiedliche Werkblöcke geschaffen hat, die jeder für sich allein schon ein Lebenswerk ausmachen würden. Von 1956 bis 1980 arbeitet sie vorrangig dem Werkstoff Glas. Nach 1980 widmet sich die Künstlerin uneingeschränkt ihrer wahren Leidenschaft – der großformatig-realistischen Malerei, die heute ihr Alleinstellungsmerkmal in der österreichischen Kunstszene ausmacht.
 
( … )
 
Zwischen dem ältesten Werk in der Ausstellung, einem kleinen Buch mit getrockneten Blättern, die mit Bibelthemen bemalt sind von 1950 und dem jüngsten Werk, einem Marvin von 2015 liegen rund sieben Jahrzehnte intensiven Schaffens. Im Laufe dieser künstlerischen Entwicklung ist Isolde stets einer inneren Notwendigkeit gefolgt und hat auf die wechselnden Bewegungen der Kunstbetriebs oder des Kunstmarkts keine Rücksicht genommen. Vielleicht liegt auch darin ein Grund, warum ihr Werk im Ausstellungsbetrieb erst allmählich entdeckt und in seiner ganzen Tragweite erkannt wird. Fest steht jedenfalls, dass das Werk von Isolde visionäre Gestaltungskraft aufweist und sie in der österreichischen Kunstlandschaft eine eigenständige und kraftvolle Stimme entwickelt hat.
 
Dafür wurde ihr Ende letzten Jahres der Würdigungspreis für Bildende Kunst des Landes Niederösterreich zuerkannt. Allerdings musste sie – wie viele Künstlerinnen ihrer Generation, die allesamt erst im hohen Alter die verdiente Anerkennung erfuhren – so musste eben auch Isolde erst knapp 90 Jahre alt werden, um in die Ehrenränge der Landespreise aufzusteigen.
 
Es gilt, einen Schatz zu heben und eine Künstlerin wieder zu entdecken, die wir neben ihren Werken auch in persona in der Ausstellung eine Präsenz geben wollten. Am Ende des Ausstellungsrundgangs steht daher ein sehr berührendes filmisches Porträt der Künstlerin, für das wir der Filmemacherin Christiana Perschon sehr herzlich danken.
 
Mein abschließender und innigster Dank gilt der Künstlerin und ihrem Ehemann – Dir, liebe Isolde und Dir, lieber Gottfried. Ihr habt uns von der ersten Konzeptidee bis zur Realisierung der Ausstellung umfassend unterstützt. Euer kompromissloser Einsatz für die Kunst hat dieses ambitionierte Projekt in großem Maße erleichtert und vor allem bereichert.
 
Wir hoffen sehr, dass diese Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich dazu beiträgt, dem außergewöhnlichen Werk von Isolde Maria Joham eine späte aber verdiente Würdigung zukommen zu lassen.
 
In diesem Sinne herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !
 
Gerda Ridler ( April 2022 )
 
Website: Ausstellung ISOLDE MARIA JOHAM in der Landesgalerie Niederösterreich