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PROJEKT GRID BLOCK

Ausgewählte Projekte:

Bildangabe:

Eröffnung der Ausstellung GRETA SCHÖDL. SPUREN MEINES LEBENS; Ausstellungsansicht (Traumbilder, 1970er Jahre), Gerda Ridler, Silvia Gavina (Tochter der Künstlerin) Berthold Ecker, Bügelbrett, 1980er Jahre (Detail); Fotos: Richard Tanzer, Agnes Winkler;

GRETA SCHÖDL. Spuren meines Lebens
 

23.5.2026 – 10.1.2027
 
Greta Schödl zählt zu den bedeutendsten Stimmen der visuellen Poesie – einer Kunstrichtung an der Schnittstelle zwischen Literatur und bildender Kunst, die in Österreich eine eigenständige Tradition ausgebildet hat. 1929 in Hollabrunn geboren, lebt und arbeitet sie seit den späten 1950er-Jahren in Bologna (Italien). Ihre künstlerische Praxis, die sich mit großer Konsequenz der Erforschung von Schrift als bildnerischem Material widmet, ist daher eng mit der italienischen „Poesia Visiva“ verbunden.
 
In akribischer Wiederholung und kontemplativer Zuwendung überzieht Schödl unterschiedlichste Trägermaterialien mit ihrer feinen Handschrift: alte Gebetsbücher, Pergament, handgeschöpftes Papier, Leinwand, Holz und Stein ebenso wie Alltagsobjekte – Geschirrtücher, Bettwäsche oder Bügelbretter. Charakteristisch ist dabei ihre Verwendung der Sütterlinschrift, einer Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten deutschen Schreibschrift, die sie als Kind erlernte. Deren klare, lineare und zugleich geschwungene Form wird in ihrem Werk zu einem prägenden visuellen Element.
 
Ausgangspunkt ist häufig das Material selbst, dessen Name sich in strenger Linearität über die Oberfläche legt. In der Wiederholung verlieren die Wörter ihre semantische Funktion. Schrift wird zur Spur, zum Rhythmus, zur Verdichtung – weniger lesbar als vielmehr sichtbar. Feine Goldakzente, die Schödl in einzelne Buchstaben integriert, durchziehen die Schriftfelder wie Lichtspuren. Sie rhythmisieren die Oberfläche und verleihen ihr eine vibrierende Leuchtkraft.
 
Neben der lesbaren Schrift entwickelt Schödl auch Werke mit „asemischen Schriften“ – Linien und archaisch anmutende Symbole, die sich jeder sprachlichen Zuordnung entziehen. Auch der eigene Körper wird zur Quelle von Zeichen: In Abdrucken von Haut- und Körperpartien manifestiert sich Identität als unmittelbare Spur. Bereits in der frühen Serie der Traumbilder übersetzt Schödl Eindrücke aus dem Unterbewussten in grafische Bildräume und macht innere Erfahrungswelten als feingliedrige Verdichtungen sichtbar.
 
Die Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich ist die erste umfassende Museumsausstellung der Künstlerin in ihrem Heimatland. Anhand von rund 200 Werken spannt sie einen Bogen von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart und macht die Kontinuität eines Œuvres sichtbar, das sich in stiller Beharrlichkeit entfaltet. Schödls Arbeiten lassen sich als poetische Verdichtungen eines künstlerischen Denkens lesen – als Spuren eines Lebens, eingeschrieben in Material, Schriftgefüge und Zeichen.
 
Kurator:innen: Gerda Ridler, Berthold Ecker
 
 
Website Landesgalerie Niederösterreich
 
Website der Künstlerin
 
Gerda Ridler (Mai 2026)